Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin unterrichtete Wilhelmine Siefkes ab 1910 zunächst in der ostfriesischen Landgemeinde Jemgum und ab 1917 in Leer. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sie sich – auch vor dem Hintergrund ihrer christlichen Prägung – politisch zu betätigen. Sie trat der SPD bei, engagierte sich in der Arbeiterwohlfahrt und in Heimatvereinen, schrieb für den sozialdemokratischen „Volksboten“ und wurde 1928 ins Stadtparlament von Leer gewählt. Seit Beginn der zwanziger Jahre veröffentlichte sie literarische Arbeiten.
1933 wurde Wilhelmine Siefkes aus dem Schuldienst entlassen, weil sie sich weigerte, den Beamteneid auf Adolf Hitler zu leisten. Darüber hinaus erhielt sie Publikationsverbot, weshalb sie unter dem Pseudonym „Wilmke Anners“ veröffentlichte. Dennoch erlebte Siefkes in diesen Jahren mit dem Roman „Keerlke“ über die Kindheit eines in ärmlichen Verhältnissen aufwachsenden Leeraner Jungen ihren literarischen Durchbruch. Sie gewann mit dem anonym eingereichten Manuskript 1940 den Johann-Hinrich-Fehrs-Preis und konnte das Buch danach unter ihrem Namen veröffentlichen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs widmete sich Siefkes hauptberuflich der Schriftstellerei. Ihr umfangreiches, überwiegend plattdeutsches Werk umfasst Erzählungen, Romane, Märchen und Sagen, Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele. Siefkes erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Ubbo Emmius-Medaille der Ostfriesischen Landschaft und den Quickborn-Preis.
Seit 1990 wird alle vier Jahre der Wilhelmine-Siefkes-Preis für plattdeutsche Literatur oder regionalgeschichtlich orientierte Arbeiten verliehen.
Zitat
Tüschen Begünn un Enne / wannern wi dör de Tiet, / wannern na Hemel of Helle / glieker wiet
– Wilhelmine Siefkes: Darhen, Tüschen Saat un Seise
Werke (in Auswahl)
- Uda von der Mölen
- Hör eenzig eegen
- Keerlke
- Tüschen Saat un Seise
- Van de Padd of
- Tant‘ Remda in Tirol un anner Vertellsels