Unscharfer Hintergrund: Wilhelm Wisser,
Wilhelm Wisser,
Wilhelm Wisser,
Niederdeutscher Autor 1843–1935

Wilhelm Wisser

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Wilhelm Wissers Vater war Schuhmachermeister und Kätner, seine Mutter zog als Hökerin mit ihren Waren von Haus zu Haus. Wilhelm kam als Zweijähriger zu seiner Großmutter ins benachbarte Braak. Sie erweckte mit ihren Erzählungen plattdeutscher Geschichten eine lebenslange Begeisterung für Märchen in ihm. Nachdem Wisser im Gymnasium in Eutin das Abitur abgelegt hatte, studierte er in Kiel und Leipzig  Altphilologie und Germanistik. Er schloss das Studium mit dem Staatsexamen und einer Promotion ab und unterrichtete anschließend  Deutsch, Latein und Griechisch zunächst am Eutiner Gymnasium und ab 1877 am Mariengymnasium in Jever. 1887 kam er als Oberlehrer zurück nach Eutin, wo er bis 1902 unterrichtete.

In dieser Zeit begann seine Tätigkeit als „Märchenprofessor“. Zwischen 1898 und 1909 befragte er in Ostholstein etwa 230 vorwiegend ältere Gewährsleute, die ihm überlieferte Geschichten aus ihrem Fundus erzählten. Nachdem er 1902 an das Gymnasium in Oldenburg (in Oldenburg) gewechselt war, nutzte er für diese aufwendigen, viel Ausdauer erfordernden Arbeiten die Ferien, die er in der Heimat verbrachte. Wisser unterteilte seine gesammelten Texte in Märchen für Kinder und für Erwachsene und brachte 1904 drei Bände mit Kindermärchen heraus. Nach seiner Pensionierung 1908 kümmerte er sich um die Veröffentlichung seiner weiteren Bestände. Je ein Band mit Volksmärchen erschien 1913 und 1927. Die Gesamtausgabe seiner gesammelten Märchen, die im Auftrag des Reichsinnenministeriums herausgegeben wurde, umfasst 2.500 Seiten.

Seinen Wohnsitz behielt Wisser bis zu seinem Lebensende in Oldenburg, wo er 1921 die noch heute bestehende Niederdeutsche Bühne mitbegründete. 1926 erhielt er den John-Brinckman-Preis. Ende der zwanziger Jahre hatte er mit dem in Hamburg lehrenden Germanistikprofessor und Niederdeutschforscher Conrad Borchling eine scharfe Auseinandersetzung über die niederdeutsche Rechtschreibung. Wilhelm Wisser war zweimal verheiratet. Aus seinen Ehen gingen vier Söhne und zwei Töchter hervor, darunter die Schauspielerin Hanna Thimig-Wisser, die spätere Lebensgefährtin der niederdeutschen Autorin Alma Rogge. Wilhelm Wisser starb 1935 in Oldenburg und wurde in Eutin begraben.   

Zitat

As ik noch so’n lütten Klebater wêr, do vertell‘ uns‘ Grußmudder uns jümmer Geschicht’n, so in de Schummerstunn‘ … Un wenn ‘n Geschicht ut wêr, denn bêden wi ümmer: Grußmudder, nu noch ên! Man to, beß Grußmudder! Man blots noch ên! Awer ‘n recht lang‘! Un wi hôl’n je ne ehr up vun quäl’n, as bet se wa‘ anfüng‘.

– Wilhelm Wisser: An de Kinner, Wat Grotmoder vertellt. Ostholsteinische Volksmärchen

Werke (in Auswahl)

  • Wat Grotmoder vertellt; Märchen für Kinder, 3 Bde
  • Plattdeutsche Volksmärchen, 2 Bde.
  • Moderspraak-Book

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