Unscharfer Hintergrund:
Niederdeutscher Autor 1867–1933

Rudolf Tarnow

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Rudolf Tarnows Geschichten in Versform sind bis heute in Norddeutschland sehr populär. Der älteste Sohn eines Schuhmachers absolvierte nach dem Besuch der Mittelschule in Parchim eine kaufmännische Lehre in der dortigen Tuchfabrik. 1887 wurde er zum Militär  eingezogen. Nach Ableistung seiner Wehrpflicht blieb er als Berufssoldat und war zuletzt als Zahlmeistergehilfe im Rang eines Wachtmeisters in Ludwigslust stationiert. 1896 heiratete er Erna Bruns, mit der er drei Kinder hatte. 1906 schied er aus dem Militärdienst aus und wurde Betriebsinspektor in der psychiatrischen Klinik Sachsenberg bei Schwerin. In diesen Jahren verfasste Tarnow erste Geschichten und Gedichte auf Platt. 1910, als man Fritz Reuters 100. Geburtstag feierlich beging, wurde sein Gedicht „Dat Randewuh in‘n Rathus tau Stemhagen“ bei der Grundsteinlegung des Reuterdenkmals in Stavenhagen im Fundament vermauert. Zum Bestsellerautor wurde Tarnow mit der „Burrkäwer“-Reihe. Die sechs Bände mit Geschichten in Versform erschienen zwischen 1911 bis 1918. Vor allem die ersten drei Bände mit Schwänken ("Läuschen" auf Mecklenburger Platt), in denen die großen und kleinen Schwächen der Menschen – vor allem der „höheren Stände“ –  auf die Schippe genommen werden, machten Tarnow zu Lebzeiten zu einem Beststellerautor. Die während des Krieges enstandenen Bände hingegen hatten eine deutlich geringere Publikumswirkung. Sie waren stark von einem – damals nicht nur in Deutschland verbreiteten – Hurra-Patriotismus geprägt. Auch in den zwanziger Jahren erzielte Tarnow mit weiteren Gedichten, Kinderbüchern und einer plattdeutschen Schulgeschichte in Versen  („Köster Klickerman“) große Erfolge. Politisch war er nationalistisch-autoritär gesinnt: Er bewunderte den italienischen Faschistenführer Benito Mussolini und begrüßte kurz vor seinem Tod die Machtübernahme Adolf Hitlers. Am 19. Mai 1933 verstarb Rudolf Tarnow an den Folgen eines langjährigen Herzleidens. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt auf dem Friedhof Sachsenberg, heute eine denkmalgeschützte Parkfriedhofsanlage auf dem Gelände des Schweriner Klinikums.

Zitat

Mötst di nich argern, is Unrecht di dahn, / Haug mal up’n Disch un gliek is’t vergahn, / Kort is dien Läben un lang büst du dod, / Minsch, blot nich argern, ne, lachen deiht gaud!  

– Rudolf Tarnow: Ringelranken

Werke (in Auswahl)

  • Burrkäwers (6 Bände)
  • Köster Klickermann
  • Rüter-Püter
  • Ringelranken
  • De Lübecker Martensmann

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