Rudolf Kinau ist bis heute einer der erfolgreichsten und auflagenstärksten Autoren der niederdeutschen Literatur. Der Sohn eines Fischers arbeitete selbst sieben Jahre lang als Elb- und Seefischer und absolvierte dann eine Ausbildung an der Seemannsschule. Nach einer kurzen Zeit bei der Handelsmarine nahm er 1908 wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Schifffahrt die Stellung eines Schreibers in der Hamburger Fischhalle an. Seine erste Publikation, verfasst 1916, war ein Nachruf auf seinen Bruder Johann alias Gorch Fock. Im selben Jahr erschien mit „Steernkiekers“ sein erstes von mehr als dreißig Büchern, die er im Laufe seines Lebens veröffentlichte.
1928 gab Kinau seine Stelle auf, um sich ganz der schriftstellerischen Arbeit zu widmen. Sein Werk, das überwiegend plattdeutsch geschrieben ist, umfasst Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane, Gedichte und Theaterstücke. Zudem war Kinau seit den 1920er Jahren als Autor von Hörspielen und anderen Rundfunkbeiträgen – oft auch als Sprecher – tätig. Zu seinen insgesamt weit über tausend Arbeiten für das Radio gehören auch seine hochdeutschen, „Morgenfeiern“ genannten, Rundfunkansprachen aus den 1940er Jahren. Sie erschienen als Buch unter dem Titel „Kamerad und Kameradin“, das als „Tornisterschrift des Oberkommandos der Wehrmacht“ deutschen Soldaten mit an die Front gegeben wurde.
In den 1950er Jahren gehörte Kinau zu den Entwicklern und ersten Autoren der Sendereihe „Hör mal´n beten to“ des Norddeutschen Rundfunks. Finkenwerder und der Alltag seiner Menschen sind Hintergrund und Inspirationsquelle für viele von Kinaus Texten. Der Wandel der Elbinsel von einer durch Landwirtschaft und Fischerei geprägten Region zu einem industrialisierten Standort des modernen Schiffbaus vollzog sich in seiner Lebenszeit.
Rudolf Kinau wurde mit dem Fritz-Reuter-Preis der Carl Toepfer Stiftung, dem Quickborn-Preis und dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Zitat
So lang dat Fischeree un Seefoahrt geben deit, so lang gifft dat woll ook al den ooln Snack: „Wonem du noch ne sülben op Grund seten hest, doar weeß du ook ne richtig Bescheed!“
– Rudolf Kinau: Up Grund sitten /Krüz un quer
Werke (in Auswahl)
- Blinkfüer
- Jann Rögenstör
- Sünn in de Seils
- Bi uns an ’n Diek
- Fief duppelte Släg
- Mit eegen Oogen
- Bi Hus un ünnerwegens
- Söbenteihn Sack Kaffee
- Westen Wind;
- Üm een ol Hus;
- Bootsmann Bünger