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Niederdeutscher Autor 1777–1810

Philipp Otto Runge

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Von den 211 Märchen, die die Brüder Grimm gesammelt haben, sind 19 plattdeutsch. Die zwei bekanntesten von ihnen hat der Maler Philipp Otto Runge beigesteuert: „Von den Fischer un siine Fru“ ist wegen seiner drastischen Komik und eingängigen Moral – wer zu hoch hinaus will, landet wieder im „Pisspott“ – bis heute populär. „Van den Machandel-Boom“ hingegen, wo eine Frau ihren Stiefsohn ermordet und dem Vater zum Mittagessen vorsetzt, gilt als eindringliches Beispiel für die düsteren Seiten der Grimm’schen Märchenwelt. Runge hat die beiden Geschichten, die damals weithin bekannt waren, nicht nur aufgezeichnet, sondern auch mit großer Sprachkunst ausgestaltet. Für Jacob und Wilhelm Grimm spielten beide Texte eine herausragende Rolle: Sie sahen in ihnen aufgrund ihres Stils und Aufbaus mustergültige Beispiele für die Gattung Märchen und legten sie allen Mitarbeitern an ihrer Märchensammlung als vorbildlich ans Herz.

Philipp Otto Runge kam als neuntes Kind eines Reeders zur Welt. Nachdem er in Hamburg eine kaufmännische Lehre absolviert und zudem Zeichenunterricht genommen hatte, studierte er von 1799 bis 1803 an den Kunstakademien in Kopenhagen und Dresden. Dort knüpfte er Kontakte zur romantischen Bewegung und wurde selbst einer ihrer bedeutendsten Vertreter. 1804 heiratete er Pauline Susanna Bassenge, mit der er im selben Jahr nach Hamburg zog. Das Paar bekam vier Kinder. Runges Märchen waren zunächst für eine Weiterführung der Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“gedacht.  Als diese nicht zustande kam, gelangten die Texte zu den Brüdern Grimm. Sie nahmen sie 1812 in die erste Auflage ihrer "Kinder- und Hausmärchen" auf. Philipp Otto Runge ist einer der ganz wenigen Märchenlieferanten, die dort namentlich genannt werden. „De Fischer un siine Fru“ und der „Machandelboom“ blieben über alle Auflagen hinweg fester Bestandteil der Sammlung, aber ihre sprachliche Gestalt und damit auch die Schreibweise des Titels (siine/syne Fru) änderte sich. Die unterschiedlichen Fassungen gehen teilweise auf Überarbeitungen Runges, teilweise auf Eingriffe von außen zurück. Runge selbst sollte den Erfolg der Grimm’schen Märchen nicht mehr erleben. Am 2. Dezember 1810 starb er an Tuberkulose. Tags darauf wurde sein jüngster Sohn geboren.

Zitat

Mandje, Mandje, Timpe Thee! / Buttje, Buttje in de See, / Mine Fru de Ilsebill / Will nich so, as ik woll will. 

 

– Philipp Otto Runge: Von den Fischer un siine Fru

Werke (in Auswahl)

  • Von den Fischer un siine Fru
  • Van den Machandel-Boom

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