Unscharfer Hintergrund:
Niederdeutsche Autorin 1876–1939

Martha Müller-Grählert

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Martha Müller-Grählert  (Geburtsname: Johanna Karoline Friedchen Daatz) wuchs in Zingst auf, besuchte das Lehrerseminar in Franzburg bei Stralsund und arbeitete anschließend kurze Zeit als Hauslehrerin. Sie hatte schon früh ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckt und entschloss sich, gegen den Willen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters, von der pädagogischen in die journalistische und schriftstellerische Laufbahn zu wechseln: 1898 zog sie nach Berlin und begann als Redakteurin des „Deutschen Familienblattes“ zu arbeiten.

Sechs Jahre später heiratete sie den Agrarwissenschaftler Max Müller und begleitete ihn 1911 nach Japan, wo er eine Professur an der Universität von Sapporo angenommen hatte. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte das Ehepaar, um einer Internierung zu entgehen, nach Deutschland zurück. Die Heimreise geriet zu einer eineinhalbjährigen Irrfahrt durch mehrere Länder. In der Folgezeit zerbrach die Ehe und damit auch Martha Müller-Grählerts wirtschaftliche Existenzgrundlage. 1924 zog sie wieder nach Zingst und hielt sich mit Leseabenden und Veröffentlichungen mühsam über Wasser. Verarmt und fast erblindet ging sie 1939 in ein Altersheim in Franzburg, wo sie im selben Jahr starb.

Weithin bekannt ist Martha Müller-Grählert, die zahlreiche Erzählungen und Gedichte schrieb, heute durch das „Ostseewellen“-Lied. Der Text ist ein Gedicht mit dem Titel „Mine Heimat“, das sie in Berlin schrieb und erstmals 1907 veröffentlichte. Ein Jahr später erschien es in der Zeitschrift „Meggendorfer Blätter“. Ein Flensburger Glaser schnitt das Gedicht aus und nahm es mit nach Zürich. Er sang dort in einem Arbeiter-Chor und zeigte es dem Dirigenten Simon Krannig, der den Text vertonte. Uraufgeführt wurde das Lied am Grab des kurz darauf verstorbenen Glasers. Schnell verbreitete es sich in ganz Norddeutschland; viele hielten es für ein Volkslied. Der Verleger Friedrich Fischer-Friesenhausen in Soltau tauschte die Ost- gegen die Nordseewellen aus, machte daraus das „Friesenlied“ und verdiente, ohne den beiden Urhebern Tantiemen zu zahlen, viel Geld damit. Weitere, auch hochdeutsche, Versionen kamen hinzu. Ab den zwanziger Jahren steigerten der Rundfunk und später auch der neue Tonfilm die Popularität noch weiter. Währenddessen kämpften die Dichterin und der Komponist um die Anerkennung ihrer Urheberrechte. Nach langem Prozessieren wurden sie ihnen zugesprochen, doch bevor das Urteil rechtskräftig wurde, starb Martha Müller-Grählert.

Zitat

Wo de Ostseewellen trecken an den Strand, / Wo de gele Ginster bleuht in´n Dünensand, / Wo de Möwen schriegen, grell in´t Stormgebrus, – / Da is mine Heimat, da bün ick tau Hus.

– Martha Müller-Grählert: Mine Heimat

Werke (in Auswahl)

  • Min irst Honorar
  • Min Lebensschipp
  • Schelmenstücke
  • Mudder Möllersch' Reis na Berlin
  • Sünnenkringel

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