Klaus Groth gehört neben Fritz Reuter, John Brinckman und Johann Hinrich Fehrs zu den Begründern der neuen niederdeutschen Literatur im 19. Jahrhundert. Geboren als Sohn eines Müllers und Kleinbauern, absolvierte er ab 1834 eine Schreiberlehre in der Kirchspielvogtei in Heide, besuchte von 1837 an vier Jahre lang das Lehrerseminar in Tondern und unterrichtete anschließend bis 1847 an einer Mädchenschule in Heide. Daneben eignete er sich im Selbststudium eine umfangreiche natur- und geisteswissenschaftliche Bildung an.
1847 verließ Groth wegen seiner angeschlagenen Gesundheit den Schuldienst und zog nach Fehmarn, um sich zu erholen. Dort schrieb er seine erste plattdeutsche Gedichtsammlung, die 1852 unter dem Titel „Quickborn“ erschien. Dieses Werk entfaltet das poetische Potential der niederdeutschen Sprache, machte Groth schlagartig weit über Norddeutschland hinaus bekannt und wurde zu einem der erfolgreichsten deutschen Lyrikbände des 19. Jahrhunderts.
1853 siedelte Groth von Fehmarn nach Kiel über, wo er mit dem Germanistikprofessor Karl Müllenhoff eine plattdeutsche Orthographie ausarbeitete. Von 1855 bis 1857 hielt sich Groth in Bonn auf, wo ihm die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der dortigen Universität verliehen wurde. Im selben Jahr wurde er Privatdozent für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Kiel; den Professorentitel erhielt er acht Jahre später. 1859 heiratete er Doris Finke aus Bremen, mit der vier Söhne hatte. In Kiel, wo er fortan wohnte, verfasste Groth zahlreiche weitere, auch hochdeutsche Werke, wobei seine Prosa nicht die Resonanz seiner Lyrik fand.
Mehrere seiner Gedichte wurden von Johannes Brahms und anderen Komponisten vertont. Etliche seiner niederdeutschen Werke, besonders Gedichte aus dem Quickborn, wurden schon früh ins Hochdeutsche und andere Sprachen übersetzt. Mit Fritz Reuter stritt sich Groth bis zu dessen Tod über das Wesen der niederdeutschen Literatur. Groth ging es darum, das Niederdeutsche auszubauen und zu veredeln, um ihm die ganze Spannbreite der literarischen Formen, insbesondere der Lyrik zu erschließen. Reuter hingegen meinte, das Niederdeutsche sei auch literarisch als authentischer Ausdruck der sozialen Schichten, die es sprachen, zu behandeln. Groth wurde mit dem Goethe- und dem Schillerpreis ausgezeichnet. Als er achtzigjährig starb, gehörte er zu den berühmtesten zeitgenössischen Dichtern des deutschen Sprachraums.
Zitat
Ik wull, wi weern noch kleen, Jehann, / Do weer de Welt so grot! / Wi seten op den Steen, Jehann, / Weest noch? bi Nawers Sot./ An Hȩben seil de stille Maan, / Wi segen, wa he leep,/ Un snacken, wa de Himmel hoch / Un wa de Sot wul deep.
– Klaus Groth: Min Jehann
Werke (in Auswahl)
- Quickborn
- Voer de Goern
- Rothgeter Meister Lamp un sin Dochter
- Ut min Jungsparadies