Unscharfer Hintergrund: Porträt Gillhoff
Porträt Gillhoff
Porträt Gillhoff
Niederdeutscher Autor 1861–1930

Johannes Gillhoff

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Der Schulmeistersohn Johannes Gillhoff wurde selbst Lehrer und unterrichtete zunächst in Parchim und Dörfern der Umgebung. 1899 legte er die Rektoratsprüfung ab und wechselte danach in den preußischen Schuldienst mit Stationen in Merseburg, Erfurt, Elsterwerda und Halberstadt, bevor er sich 1907 in Genthin niederließ. Reisen führten ihn durch Deutschland, die Schweiz, Italien, Norwegen und Dänemark.

Früh schon lag sein Fokus auf germanistischen und volkskundlichen Themen – zu seinen ersten Publikationen gehörten Aufsätze zur (hochdeutschen) Rechtschreibung. 1888 legte er eine Sammlung von etwa 4000 niederdeutschen Redensarten, Sprichwörtern und Rätseln an und veröffentlichte sie zunächst in einem Schulbericht. Der die Rätsel umfassende Teil erschien zudem 1892 als Buch (Das mecklenburgische Volksrätsel). Das Werk geriet allerdings in den Schatten eines ähnlichen Projekts, das zu der Zeit der Lehrer und Mitbegründer der deutschen Volkskunde Richard Wossidlo verfolgte. Gillhoff wandte sich in der Folge verstärkt der Belletristik zu. 1905 erschienen seine Bilder aus dem Dorfleben, eine Sammlung hochdeutscher Geschichten mit plattdeutschen Dialogen.

Zu einem enormen Erfolg wurde sein 1917 veröffentlichter Briefroman Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer, in dessen Mittelpunkt das Schicksal eines in die USA ausgewanderten Tagelöhners aus Mecklenburg steht. Das Buch, mit niederdeutschen Dialogen und einer zwischen Hochdeutsch und Missingsch changierenden Erzählsprache, wurde auch in andere Sprachen übersetzt. 1924 trat Johannes Gillhoff in den Ruhestand und zog von Genthin ins mecklenburgische Ludwigslust. Er gründete die „Mecklenburgischen Monatshefte“, die er bis zu seinem Tod 1930 herausgab.

Die Johannes Gillhoff Gesellschaft vergibt alljährlich den Johannes-Gillhoff-Literaturpreis für besondere Verdienste auf dem Gebiet der niederdeutschen Literatur, Literaturwissenschaft und Publizistik.

Zitat

Unsen Preister geiht dat Plattdütsch bannig fix von'n Mund weg. Aber auf der Kanzel ist er hochdeutsch. Da predigt er Gottes Wort lauter und rein nach der Schrift und dreht nicht lange dabei herum. Achterkorn und Spreu und Menschenwort ist nicht dazwischen.

– Johannes Gillhoff: Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer

Werke (in Auswahl)

  • Mecklenburgische Volksrätsel
  • Bilder aus dem Dorfleben
  • Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer
  • Mecklenburgische Monatshefte (Herausgeber)

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