Hermann Claudius, Sohn eines Bahnmeisters und Urenkel von Matthias Claudius, war Volksschullehrer in Hamburg. Ab 1905 veröffentlichte er Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke, Romane und später auch Hörspiele, zudem zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Etwa ein Drittel seines Werks besteht aus niederdeutschen Texten. 1912 erschien Claudius‘ Gedichtsammlung „Mank Muern“, ein Pionierwerk plattdeutscher Großstadtlyrik, das die Lebensverhältnisse und die vom Takt der Maschinen bestimmten Arbeitsbedingungen des Proletariats thematisierte.
Im Ersten Weltkrieg, an dem Claudius als Soldat teilnahm, verfasste er zunächst pathetisch-patriotische, später von Desillusionierung kündende Kriegsgedichte. Claudius, stark christlich geprägt und seit 1917 SPD-Mitglied, setzte sich zunächst für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit ein. Von ihm stammt der Text des Liedes „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘“, das bis vor einiger Zeit auf SPD-Parteitagen gesungen wurde. 1933 erlitt Claudius einen Motorradunfall. Wegen der dadurch verursachten Schwerhörigkeit wurde er pensioniert und arbeitete seitdem nur noch als Schriftsteller. Die sechsköpfige Familie lebte zunächst in dürftigen finanziellen Verhältnissen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten diente sich Claudius – ohne NSDAP-Mitglied zu werden – dem Regime an, schrieb einige Propaganda-Gedichte und profitierte von der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Dass er sich nach 1945 nicht mit seiner Rolle in dieser Zeit auseinandersetzte, trug ihm scharfe Kritik ein. Zugleich wurde seinem Werk aber auch in der Bundesrepublik Anerkennung zuteil. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Klaus-Groth-Preis, der Medaille der Universität Kiel und der Ehrenmitgliedschaft des Heimatbunds Niedersachsen. Zu seinem hundertsten Geburtstag sprach Willy Brandt „dem Dichter der niederdeutschen Heimat, vor allem aber dem Dichter der Deutschen Arbeiterbewegung“ Dank und Anerkennung aus.
1980 starb Hermann Claudius an den Folgen eines Sturzes.
Zitat
De Fabrikschossteen / Ick bün de Baas! Min Buuk is rund! / Un miene Lung’n, de sünd gesund! / Ha! Wat de Heven kann, kann’k ok: / as Wulken treckt mien swatte Rook! /Ick kiek ümher un stah un paff. / Un all de annern rackt sik af
– Hermann Claudius: Mank Muern
Werke (in Auswahl)
- Mank Muern. Grotstadtleeder
- Bodderlicker, sett di! Kinnerriemels
- Hamborger Kinnerbok. Lustige Rimels for Grot un Lütt
- Krup ünner! Kinnerriemels
- Mien Weg na Huus