Unscharfer Hintergrund: Gorch Fock, 1916
Gorch Fock, 1916
Gorch Fock, 1916
Niederdeutscher Autor 1880–1916

Gorch Fock

Johann Wilhelm Kinau

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Schon als Kind wollte Johann Wilhelm Kinau, der sich später Gorch Fock nannte, in die Fußstapfen seines Vaters treten und Hochseefischer werden. Das scheiterte an seiner mangelnden Seefestigkeit. Er begann stattdessen 1895 eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete in den folgenden Jahren als Buchhalter in verschiedenen deutschen Städten.

Für seine literarische Entwicklung wichtig wurde sein Aufenthalt im thüringischen Meiningen, wo er seine Liebe zum Theater entdeckte und erste Gedichte und Erzählungen schrieb. 1904 kehrte er nach Finkenwerder zurück und nahm bald darauf eine Stelle bei der Hamburger Reederei Hapag an. In den folgenden Jahren schrieb Gorch Fock zahlreiche Erzählungen, die er zunächst in Tageszeitungen, später in Buchform veröffentlichte. Theaterstücke, inszeniert von Richard Ohnsorg, kamen hinzu.

1913 erschien sein Roman „Seefahrt ist not!“. Das Buch über einen Finkenwerder Seefischer und seinen Sohn wurde ein in mehrere Sprachen übersetzter Bestseller und avancierte zur Schullektüre. Gorch Focks Dichtersprache war zunächst Hochdeutsch. In vielen seiner späteren Werke – darunter „Seefahrt ist not!“ – sind in die hochdeutsche Erzählsprache niederdeutsche Dialoge eingebettet. Hinzu kommen Werke, die komplett in Finkenwerder oder Hamburger Platt geschrieben sind.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Gorch Fock freiwillig. Er kämpfte zunächst als Infanterist und wechselte dann auf eigenen Wunsch zur Marine. 1916 wurde sein Schiff, der Kleine Kreuzer ’Wiesbaden‘, in der Schlacht im Skagerrak versenkt. Zusammen mit fast 600 anderen Besatzungsmitgliedern fand er den Tod.

Gorch Focks heroisierende Tönung des harten Seefahrerlebens und sein – damals nicht nur in Deutschland üblicher – Nationalismus boten den Nationalsozialisten Gelegenheit, ihn und sein Werk posthum für ihre propagandistischen Zwecke zu instrumentalisieren. In der Bundesrepublik blieb Gorch Fock bis in die sechziger Jahre hinein ein vielgelesener Autor. Heute verbinden die meisten Menschen mit seinem Namen weniger den Dichter als das nach ihm benannte Schulschiff der Bundesmarine.  

Zitat

Eulich wat beleben, denn brukt’n ok ne to legen!

– Gorch Fock: Seefahrt ist not!

Werke (in Auswahl)

  • Schullengrieper un Tungenknieper
  • Hein Godenwind de Admirol von Moskitonien
  • Doggerbank. Niederdeutsches Drama in einem Aufzuge
  • Seefahrt ist not!
  • Cilli Cohrs

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