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Niederdeutscher Autor 1862–1947

Augustin Wibbelt

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Augustin Wibbelts Gesamtwerk ist zwar überwiegend hochdeutsch, aber es sind seine plattdeutschen Arbeiten, die ihn dauerhaft bekannt gemacht haben und noch heute Beachtung finden. Geboren wurde er als Sohn einer kinderreichen Gutsbesitzersfamilie. Da ihm für die Landwirtschaft die nötige körperliche Statur fehlte, ermöglichten seine Eltern ihm ein Studium. Nach dem Besuch einer Lateinschule und des Gymnasiums Osnabrück studierte er von 1883-88 in Münster, Würzburg und Freiburg i. Br.. Von der Philologie wechselte er bald zur katholischen Theologie. Unterbrochen wurde das Studium von einem einjährigen Militärdienst in Freiburg. Dort begann er auch – angeregt durch die Alemannischen Gedichte Johann Peter Hebels – plattdeutsche Gedichte zu schreiben. Nach seiner Rückkehr nach Münster absolvierte Wibbelt das dortige Priesterseminar und wurde 1889 Kaplan in Moers. Weitere Stationen in den folgenden Jahren waren Münster, Oedt am Rhein und Duisburg. 1899 promovierte er in Tübingen mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit. 1906 wurde Wibbelt auf eigenen Wunsch Pfarrer der Kirchengemeinde Mehr (OT Kranenburg) bei Kleve. Hier wirkte er, bis er 1935 in den Ruhestand trat und auf den elterlichen Hof nach Vorhelm zurückkehrte. Wibbelts plattdeutsches Werk umfasst zahlreiche Erzählungen, Gedichte und humorvolle Dialoge, die vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein großes Publikum erreichten. Manche Texte, wie das Gedicht „Dat Pöggsken“ sind noch heute populär. Wibbelts Leitthema war die Veränderung der bäuerlich und handwerklich geprägten Gesellschaft durch die Industrialisierung, die er als zerstörerisch wahrnahm. Während des Ersten Weltkrieg war Wibbelt als Kriegsseelsorger tätig. In seinen Texten aus dieser Zeit mischt sich nationalistische Propaganda – wie sie damals auch in anderen Ländern üblich war – mit Klagen über das Grauen der Schlachtfelder und Mitleid für die Opfer. 1946, im Jahr vor seinem Tod, erhielt Augustin Wibbelt den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Der Kreisheimatverein Beckum-Warendorf verleiht alljährlich die Augustin-Wibbelt-Plakette für besondere Verdienste um die Heimat- und Kulturpflege im Kreis Warendorf und um die niederdeutsche Sprache und Dichtung.

Zitat

Du bis de ruggen Wiäge gaohen, / Du häs de sure Arbeit daohen, / Nu nimm din beste Sunndagskleed, / Nu stimm äs an din schönste Leed! / Häs lang’ genog tobuten staohen,/ Nu sett di dahl an usen Häd! / Du bis den Ährenplatz wull wäd.    

– Augustin Wibbelt: Min leiwe aolle Moderspraok!

Werke (in Auswahl)

  • Drüke-Möhne
  • Mäten-Gaitlink
  • De lesten Blomen
  • Windhok
  • De Pastor von Driebeck
  • De Iärfschopp
  • Pastraoten-Gaoren

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